Tiny Houses: Geschrumpfte Häuser für Minimalisten

Die Minihäuser treffen auf viel Interesse, bringen aber auch einige Probleme mit sich.

Tiny Houses: Geschrumpfte Häuser für Minimalisten

In Unterstadion baut Simon Hatzing Tiny Houses. Das sind Wohncontainer auf vier Rädern, die der Schreinermeister wie ein richtiges Haus einrichtet.

Die mobilen Minihäuser sind momentan voll im Trend, Schwierigkeiten gibt es aber beim Abstellen. Deshalb sind die Häuser wohl keine Lösung für das Wohnungsproblem der deutschen Städte.
Zehn Meter lang, vier Meter hoch und zweieinhalb Meter breit ist das Demonstrationshaus von Hatzing. „Da sind etwa 25 Quadratmeter Wohnfläche drin“, erklärt er. 

Aus der Nähe betrachtet ist ein Tiny House noch immer ein ganz schön großer Wohnanhänger. Ein Blick nach drinnen zeigt allerdings: Der Anhänger hat alles, was eine luxuriös  ausgestattete  Wohnung braucht. Vom Kühlschrank in Normalgröße über die Badewanne und die Kücheninsel bis hin zum Sofa und dem Doppelbett. Da hat der Name dann schon seine Berechtigung. „Tiny House“ ist Englisch und bedeutet winziges Haus.

Die kleinen Häuser sind in den USA und Kanada ein richtiger Trend. In Zeiten steigender Immobilienpreise und knappem Wohnraum sind die Häuser für viele attraktiv. Zwischen 45.000 und 90.000 Euro kostet ein Tiny House bei Simon Hatzing mit voller Ausstattung. „Vergleichbare Wohnungen kosten locker das Doppelte“, sagt der Schreiner.

Hatzing (Foto) baut die Häuser individuell nach den Wünschen seiner Kunden. Tiny-House-Fans schätzen die Reduktion des persönlichen Besitzes und den geringeren ökologischen Fußabdruck, die der Einzug in ein solches Haus mit sich bringt. Das kommt auch in Deutschland gut an. Auf der Ulmer Messe „Leben, Wohnen, Freizeit“ herrscht großer Andrang auf Hatzings Demonstrationshaus

Ein Tiny House verspricht neben Minimalismus und Nachhaltigkeit vor allem Freiheit. Schließlich sitzt es auf einem Anhänger, den sogar ein normaler PKW mit einer Anhängelast von dreieinhalb Tonnen ziehen darf. Das eigene Haus einfach ständig dabei zu haben, das klingt verlockend.

 

 

Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Zum ständigen Umziehen sind die Häuser zu sperrig, außerdem ist die Einrichtung auch nicht wie in einem Wohnwagen für Fahrten gesichert.

Ohnehin muss man sich vor jedem Umsetzen des Minihauses überlegen, wo es stehen soll. Es ist nämlich nicht möglich die Tiny Houses einfach auf jedem parkplatz oder jeder Wiese abzustellen. Zwar sind die meisten Modelle dank Komposttoilette, Photovoltaikanlage, Frischwassertank und Gasheizung weitgehend autark, aber die gesetzlichen Vorschriften machen hier einen ordentlichen Strich durch die Rechnung. Wenn das kleine Haus länger stehen soll, braucht es auch trotz der Räder eine Baugenehmigung, die nur auf erschlossenen Grundstücken erteilt wird. Auch bei kürzeren Standzeiten dürfen die Häuser noch lange nicht auf allen Grundstücken stehen, wenn man darin wohnen will.