Fußballer spucken
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Fußballer spucken
Fußball

Warum wird beim Fußball gespuckt?

Wir haben darüber mit Prof. Dr. Jörg Lindemann gesprochen. Er ist Oberarzt der Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum in Ulm und hat zu dem Phänomen die eine oder andere Erklärung. Wider Erwarten sind diese nicht nur medizinisch.

Als medizinischen Grund gibt Lindemann an, dass die hohe Anstrengung der Spieler und Spielerinnen dafür verantwortlich sein kann. Die vermehrte Ausschüttung von Adrenalin, da sie sich während eines Spiels in einer Stresssituation befinden, führt zu einer Verminderung der Speichelproduktion. Durch das viele Rennen wird dann auch noch eher durch den Mund geatmet. Das führt dazu, dass der Mund trocken wird und der Speichel eindickt. Medizinisch gesehen kann es angenehm sein, den Speichel loszuwerden, indem man ihn ausspuckt. Doch dies ist eigentlich sogar kontraproduktiv, da es so zu einem Flüssigkeitsverlust kommt. Gleiches gilt zum Beispiel auch bei einem Marathon. Lindemann empfiehlt daher eher, den Speichel runterzuschlucken, da man so weniger Flüssigkeit verliert.

Das Spucken beim Fußball wird unter anderem auch als die „Fußballkrankheit“ bezeichnet. Das liegt laut Lindemann vor allem daran, dass dieses Phänomen in keiner anderen Sportart zu beobachten ist. Oftmals spucken die Spieler und Spielerinnen in Stresssituationen, wie beispielsweise einer Ein- oder Auswechselung oder einer vermeintlichen Fehlentscheidung des Schiedsrichters oder der Schiedsrichterin. Dabei wird dann anstatt zu meckern auf den Boden gespuckt, was Lindemann mit einer Art der psychologischen Erleichterung gleichsetzt. Bei einem Tor, also einem Moment der Freude, passiert dies nur selten oder gar nicht.

Neben den medizinischen Ursachen sieht Lindemann auch rituelle Gründe für das Spucken. Beispielsweise vergleicht er es mit dem Reviermarkieren von Hunden, indem sie beim Gassi gehen an bestimmten Stellen Pinkeln. Beobachtet werden kann dies zum Beispiel gut bei der Einwechselung von Spielern und Spielerinnen. Gerade beim Betreten oder Verlassen des Spielfelds wird vermehrt gespuckt, was einer Reviermarkierung gleich kommen könnte. Da beim Fußball schon immer gespuckt wurde, nimmt Lindemann auch einen gewissen Automatismus an, der sich unter den Spielern und Spielerinnen durchgesetzt hat. Viele spucken, ohne wirklich darüber nachzudenken.