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Was gilt und was nicht?

Darf mein Pauschalurlaub nachträglich teurer werden?

Du hast deine Traumreise gebucht, die Buchungsbestätigung ist längst eingegangen – und nun meldet sich der Reiseveranstalter mit einer nachträglichen Preiserhöhung für deine Pauschalreise?

Das ist leider keine Seltenheit. Steigende Kerosinpreise, Wechselkursschwankungen oder neue Gebühren werden gern als Begründung herangezogen. Doch längst nicht jede Preiserhöhung ist rechtlich zulässig. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) schützt dich als Reisenden mit klaren Regeln – und in vielen Fällen musst du die Mehrkosten schlicht nicht zahlen.

Was ist eine Pauschalreise und warum sind deine Rechte besonders geschützt?

Eine Pauschalreise kombiniert mehrere Reiseleistungen – wie Flug, Hotel, Transfer oder Mietwagen – in einem Gesamtpaket. Für Pauschalreisen gelten besondere gesetzliche Schutzrechte nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 651a ff. BGB) und der EU-Pauschalreiserichtlinie.

Diese Rechte greifen, sobald der Vertrag zwischen dir und dem Veranstalter abgeschlossen ist. Pauschalreisen unterscheiden sich damit grundlegend von Einzelbuchungen wie „nur Flug“ oder „nur Hotel“.

Wann ist eine nachträgliche Preiserhöhung bei der Pauschalreise überhaupt erlaubt?

Grundsätzlich gilt: Ein vereinbarter Preis ist verbindlich. Eine nachträgliche Preiserhöhung bei einer Pauschalreise ist nur dann rechtlich möglich, wenn drei Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind.

Erstens muss der Reiseveranstalter sich das Recht zur Preisanpassung ausdrücklich in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vorbehalten haben (§ 651f BGB). Fehlt diese Klausel, ist jede nachträgliche Preiserhöhung automatisch unwirksam.

Zweitens muss die AGB-Klausel selbst wirksam formuliert sein. Schwammige oder unklare Formulierungen sind unzulässig – der Bundesgerichtshof (BGH) und mehrere Oberlandesgerichte haben zahlreiche solcher Klauseln bereits für unwirksam erklärt.

Drittens muss der Veranstalter Ihnen vor Vertragsabschluss ein korrekt ausgefülltes Informationsformular über Ihre wesentlichen Rechte als Reisender ausgehändigt haben – inklusive der Bedingungen für mögliche Preiserhöhungen (Art. 250 § 10 EGBGB). Hat er dieses Formblatt nicht übergeben, kann er im Nachhinein keine Preiserhöhung geltend machen.

Welche Kostensteigerungen darf der Anbieter weitergeben?

Nicht jede Kostensteigerung berechtigt den Reiseveranstalter, dich zur Kasse zu bitten. Erlaubt sind Preisanpassungen nur in diesen drei Bereichen:

  • Gestiegene Beförderungskosten, zum Beispiel durch höhere Kerosinpreise
  • Höhere Steuern, Abgaben oder Gebühren, etwa Hafen- oder Flughafengebühren
  • Geänderte Wechselkurse, die das Reisepaket verteuert haben

Wichtig: Eine Preiserhöhung nach Buchungsbestätigung mit der Begründung, das Hotel sei teurer geworden, ist ausdrücklich nicht zulässig. Eine Preiserhöhung nach Buchungsbestätigung Hotel auf gestiegene Unterkunftskosten zu stützen, scheitert regelmäßig vor Gericht. Waren die Mehrkosten zudem zum Zeitpunkt deiner Buchung bereits absehbar, kannst du die Zahlung vollständig verweigern.

Gesetzliche Grenzen für Preiserhöhungen

Die 8-Prozent-Grenze

Auch wenn eine Preiserhöhung grundsätzlich zulässig ist, schützt dich das Gesetz vor übermäßigen Aufschlägen:

  • Beträgt die Preiserhöhung bis zu 8 Prozent des ursprünglichen Reisepreises, musst du diese akzeptieren.
  • Beträgt die Preiserhöhung mehr als 8 Prozent, hast du das Recht, die Pauschalreise kostenlos zu stornieren – oder alternativ eine vom Veranstalter angebotene Ersatzreise anzunehmen.

Achtung: Reagierst du nicht auf das Preiserhöhungsangebot des Veranstalters, gilt deine Zustimmung nach Fristablauf als erteilt. Du musst also aktiv und innerhalb der gesetzten Frist widersprechen oder kündigen. Schweigen gilt als Annahme der neuen Konditionen.

Die 20-Tage-Regel

Unabhängig von der Höhe der Preiserhöhung gilt: Ab dem 20. Tag vor dem vereinbarten Abreisedatum ist jede Preiserhöhung gesetzlich unzulässig. Erhält man also kurz vor dem Urlaub noch eine Nachforderung, muss man diese schlicht nicht zahlen. In diesem Fall kannst du die Zahlung unter Berufung auf das Gesetz verweigern – falls der Veranstalter dennoch beharrt und die Herausgabe der Reiseunterlagen verweigert, empfiehlt es sich, den Mehrpreis unter ausdrücklichem Vorbehalt zu zahlen und den Betrag im Anschluss zurückzufordern. 

Was tun, wenn der Reiseveranstalter eine Preiserhöhung verlangt?

Wenn du eine Nachricht über eine Preiserhöhung nach der Buchungsbestätigung erhalten hast, solltest du wie folgt vorgehen:

  • AGB prüfen: Enthält der Reisevertrag überhaupt eine wirksame Preisänderungsklausel? Wenn nicht, ist die Erhöhung sofort unwirksam.
  • Informationsblatt prüfen: Hast du vor Vertragsabschluss das vorgeschriebene Formblatt über deine Rechte erhalten?
  • Begründung der Preiserhöhung prüfen: Beruht die Erhöhung auf zulässigen Gründen (Kerosin, Gebühren, Wechselkurse) – oder unzulässigen (z.B. gestiegene Hotelpreise)?
  • Frist prüfen: Liegt der Abreisetermin weniger als 20 Tage entfernt? Dann ist die Preiserhöhung automatisch unwirksam.
  • Höhe prüfen: Übersteigt die Erhöhung 8 Prozent des Gesamtpreises? Dann kannst du kostenlos stornieren.
  • Schriftlich widersprechen: Lehne ungerechtfertigte Preiserhöhungen immer schriftlich und fristgerecht ab.

Kostenfreie Stornierung bei unzulässiger Preiserhöhung

Kommt es zu einer Preiserhöhung nach der Buchungsbestätigung ohne rechtswirksame Grundlage, oder ist die Erhöhung so hoch, dass deine Zustimmung nicht verlangt werden kann, steht dir das Recht zu, den Pauschalreisevertrag  kostenfrei zu stornieren. Eine derartige Stornierung muss unverzüglich nach Zugang der Preiserhöhungsmitteilung erklärt werden, sonst gilt es unter Umständen als stillschweigend einverstanden.

Was gilt bei Einzelbuchungen – Flug oder Hotel separat?

Die strengen Schutzregeln der §§ 651f und 651g BGB gelten ausschließlich für Pauschalreisen. Wer Flug und Hotel separat gebucht hat, genießt einen eingeschränkten Schutz: Gemäß § 309 Nr. 1 BGB darf bei Leistungen, die innerhalb von vier Monaten nach Vertragsschluss erbracht werden, der Preis nicht durch eine Preisänderungsklausel erhöht werden. Bei längeren Vorlaufzeiten – also wenn Flug oder Hotel erst mehr als vier Monate nach Buchung genutzt werden – können Preisanpassungen unter Umständen zulässig sein. Umso wichtiger ist es, beim Buchen auf eine Pauschalreise zu setzen, die Ihnen den vollen gesetzlichen Schutz bietet.

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