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Zukunftsbahnhof Renningen

24/7-Edeka eröffnet in Renningen

Voll-automatisiert werden die Einkäufe nach kurzer Wartezeit zur Verfügung gestellt.

Ein in Deutschland einmaliges Projekt startet am nächsten Dienstag, 23. Februar, in Renningen. Am Bahnhof Nord wird dann ein 24/7-Edeka eröffnet – ohne Verkäufer, alles funktioniert digital. Natürlich gibt es bereits Supermärkte ohne Personal, die rund um die Uhr geöffnet haben, im 1800-Seelen-Ort Schöckingen (Ditzingen) beispielsweise hat erst am 6. Februar ein solcher eröffnet. Für die Deutsche Bahn ist es allerdings ein absolutes Novum, ein solches Angebot an einem ihrer Bahnhöfe einzurichten.

Der Bahnhof in Renningen ist einer von bundesweit 16 sogenannten Zukunftsbahnhöfen, an denen die DB Verbesserungen und neue Angebote einführt, um herauszufinden, wie diese bei den Bürgern und Reisenden ankommen und wie stark sie genutzt werden. So gibt es am Renninger Bahnhof beispielsweise eine Fahrrad-Reparaturstation, einen Food-Truck mit regionalen Speisen, eine Backtheke, durchgängiges WLAN und draußen sogar eine kleine Blühwiese samt Insektenhotel. Projekte wie der Food-Truck haben sich bereits bewährt und könnten auch an anderen Bahnhöfen in Deutschland Schule machen, erklärt Tobias Boppré, Leiter Vertrieb Commercial bei DB Station&Service im Südwesten.

Einkauf über App oder Terminal

Als erster Bahnhof in Deutschland wurde Renningen nun mit dem 24/7-Edeka-Markt ausgestattet. Die Container sind schon seit einiger Zeit auf dem Bahnhofsgelände zu sehen. „Der Bahnhof Renningen hat eine recht hohe Frequenz“, erklärt Boppré einen der Gründe, warum die Wahl der Pilotkommune speziell auf Renningen fiel. Zudem bot der Bahnhofsvorplatz den nötigen Raum und gute baulichen Voraussetzungen.

Und so funktioniert das Ganze: Im Inneren der Container läuft alles digital ab. Über eine Handy-App oder am Terminal direkt vor Ort können die Besucher aus dem Sortiment auswählen und alles in den digitalen Warenkorb packen. In der Anfangsphase haben sie die Wahl aus etwa 300 unterschiedlichen Produkten aus den Bereichen Lebensmittel und Drogerieartikel. Später soll das Sortiment auf bis zu 800 Produkte erweitert werden.

Keine Barzahlung möglich

Auch die Bezahlung erfolgt entweder über die App oder über eine Geldkarte, eine Barzahlung ist nicht möglich – auch aus dem Grund, dass sich das Alter bis zu einem gewissen Grad kontrollieren lässt. Denn im Gegensatz zu dem Markt in Schöckingen werden im Renninger 24/7-Edeka auch alkoholische Getränke erhältlich sein. Die Waren werden dann „hinter den Kulissen“ mechanisch zusammengesucht und zur Warenausgabe befördert, von wo aus der Kunde sie abholen kann.

Nun können lange Öffnungszeiten an Supermärkten durchaus ihre Schattenseiten haben. Der Rewe-Markt in Kornwestheim an der Johannesstraße beispielsweise hatte eine Zeit lang bis 24 Uhr geöffnet. In der Folge entwickelte sich der Parkplatz zu später Stunde zum beliebten Treffpunkt für Jugendliche, es konnte auch mal laut werden. Anwohner beschwerten sich. Mittlerweile hat der Rewe-Markt die Öffnungszeiten wieder auf 22 Uhr begrenzt.

„Wir begeben uns da in ein Abenteuer“

Konzepte, wie solchen Entwicklungen in Renningen begegnet oder sogar vorgebeugt werden könnte, gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, sagt Tobias Boppré. Denn das Projekt ist auch für die Bahn völlig neu. „Wir begeben uns da in ein Abenteuer.“ Allerdings handle es sich bei Renningen mit seinen nicht ganz 20 000 Einwohnern nicht um eine Großstadt, „wir gehen davon aus, dass die Welt hier noch ein bisschen in Ordnung ist“. Man werde die Entwicklung natürlich beobachten und gegebenenfalls nachjustieren. Das gilt übrigens für alle Aspekte des Marktes, zum Beispiel auch für das Warensortiment.

Die Container haben eine Fläche von etwa 60 Quadratmetern. Betrieben wird der Markt von der Inhaberin des örtlichen Edeka Karow&Sommer, Gisela Karow Schäfer, die auch den zugehörigen Backshop am Bahnhof eingerichtet hat. Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler) bezeichnet den neuen Markt, überhaupt das Projekt Zukunftsbahnhof, als großen Gewinn für die Stadt, von dem nicht nur Durchreisende, sondern ebenso die Bürger der Stadt profitieren. Allein in den Zukunftsbahnhof Renningen investiert die Bahn 700 000 Euro, etwa 500 000 fließen in die Entwicklung und Weiterentwicklung des Supermarkts.