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Reisemängel richtig angehen

Bild: © Thoursie / stock.xchng

 

Horrortrip statt Erhohlungsurlaub

Wie man bei Reisemängeln reagieren kann


Die Reisezeit ist für viele die schönste Zeit des Jahres. Aber was passiert, wenn der vermeintliche Traumurlaub zum Horrortrip wird? Ein Pool ohne Wasser, Baulärm oder Ungeziefer im Hotel oder überbuchte Flüge sind die Klassiker in diesem Fall. Ein kleines Portfolio, was man als Betroffener eines Reisemangels machen kann.


Jahr für Jahr landen nach der großen Reisewelle im Sommer tausende Beschwerden auf den Schreibtischen der Reiseveranstalter. Am Meisten wird von den Reisenden die Unterbringung und die Beförderung zu selbigem bemängelt.


Reiseprospekt vs. Realität


Bild: © ananasa / stock.xchngViele Reiseveranstalter formulieren in ihren Hochglanz-Katalogen die Reisebeschreibung in der Regel in einer sehr schnörkeligen Sprache und untermalen sie mit traumhaften Bildern. Kein Wunder: Die Konkurrenz ist groß und keiner der Veranstalter möchte auf seinen Angeboten sitzen bleiben. Daher ist schon vor der Buchung einer Reise Vorsicht geboten: Begriffe wie „Zimmer auf Meerseite“ bedeutet nicht, dass man ein Zimmer mit Meerblick bekommt – es können durchaus noch ein paar Hochhäuser die Sicht auf das Meer versperren. Mehr dazu haben wir für Sie hier:

Was ist ein Reisemangel?


Laut Gesetz liegt ein Reisemangel bei einer Pauschalreise dann vor, wenn vereinfacht gesagt die versprochenen Leistungen nicht erfüllt werden oder die Reise Mängel aufweist, die den Wert des Nutzens deutlich mindern. Ist man erst einmal am Zielort angelangt, zeigt sich zumeist schnell, ob die vom Reisprospekt versprochene Ausstattung Wirklichkeit ist oder geschickt mit einer euphemistischen Wortwahl und einem Bildbearbeitungsprogramm inszeniert wurde. Professionelle Fotografien und nachträgliche Bildbearbeitung verzaubern mittelmäßige Wirklichkeit zum ersehnten Ideal, überdies ist die Sprache in Reisekatalogen gerne geschönt. Ist zweiteres der Fall, gilt es, sofort zu reagieren!


Reisemängel – und jetzt?


Bild: © hbrinkman  / stock.xchngSobald der Reisende einen Mangel feststellt, muss er reagieren. Beschwert man sich erst am dritten Tag darüber, dass man keinen Balkon hat, obwohl ausdrücklich ein Zimmer mit Balkon gebucht wurde, kann das die Ansprüche auf eine Rückerstattung erheblich beeinträchtigen. Eine schriftliche Beschwerde via E-Mail oder Brief ist zwar nicht zwingend nötig, aber trotzdem empfehlenswert, da man belegen muss, dass man sich wirklich beschwert hat. Laut Gesetz steht dem Veranstalter die Gelegenheit zu, überhaupt reagieren zu können.


Wie die Kripo: Beweise sichern


Hält man Ungeziefer im Speiseraum, schmutzige Bettwäsche und defekte Zimmergeräte fotografisch fest und lässt sich Flugverspätungen von der Fluggesellschaft bestätigen, ist das bei einer folgenden Beschwerde sehr hilfreich. Ideal sind auch Zeugen der Mängel, wie zum Beispiel andere Hotelgäste. Am besten ist es, sich so viele Fakten wie möglich zu beschaffen. Zwar mag es im Urlaub nicht unbedingt jedem Spaß machen, wie die Spurensicherung der Kriminalpolizei auf der Suche nach Beweisen zu gehen, trotzdem sollte man auf eventuelle Fragen der Reiseveranstalter antworten können.

Nach der Reise


Bild: © therysma  / stock.xchngWieder zuhause angekommen, muss innerhalb eines Monats nach dem vereinbarten Rückreisetermin eine Beschwerde beim Reiseveranstalter eingegangen sein. Reiseveranstalter ist derjenige, der in der Reisebestätigung angegeben ist. Das Reisebüro ist hier nicht der richtige Ansprechpartner, ist aber meistens bereit, die Beschwerde weiterzugeben. Verbraucherschützer empfehlen, Forderungen per Einschreiben mit Rückschein auf den Weg zu schicken. In dem Schreiben müssen die Reisemängel genau beschrieben werden: Wie weit war die Baustelle vom Hotelzimmer entfernt, von wieviel bis wieviel Uhr wurde gebaut und so weiter. Das bringt mehr, als generell von „Baulärm“ zu reden. Im Internet gibt hierfür eine Vielzahl an Musterbriefen.


Forderungen stellen – aber richtig


Wichtig ist vor allem, dass man nicht nur eine Stellungname fordert, sondern ganz konkret nach Ausgleichszahlungen vom Reiseveranstalter verlangt. Eine genaue Summe angeben muss man dabei nicht, allein schon aus dem Grund, dass man als Laie nicht gut einschätzen kann, wie viel Geld man fordern kann. Je nachdem wie schlimm die Mängel im Urlaub wirklich waren, können bis zu 100 Prozent des Reisepreises zurückgefordert werden. Zusätzlich gibt es auch noch die Möglichkeit, Schadensersatz zu fordern, zum Beispiel wenn man belegen kann, dass man „nutzlose Urlaubstage aufgewendet“ hat. Wie hoch die Minderung bei einem Reisemangel ausfällt lässt sich nicht pauschal sagen, es hängt grundsätzlich vom Einzelfall ab.

Was passiert, wenn nichts passiert?

Leider ist es keine Seltenheit, dass der Reiseveranstalter nach einer Beschwerde nichts von sich hören lässt. Das kann zwar am erhöhten Arbeitsaufkommen nach der Hauptreisezeit liegen, aber auch ein Zeichen dafür sein, dass der Veranstalter sich einfach tot stellt. Dann sollte man sich auf jeden Fall an einen Anwalt wenden. Wer bis dahin aber alles richtig gemacht hat, hat vor Gericht gute Chancen, im Nachhinein zumindest etwas über den missglückten Urlaub entschädigt zu werden.

Übrigens: Nicht jeder vom Urlauber so empfundene Reismangel ist auch wirklich vor Gesetz ein solcher. Bei einer Safarireise muss der Reisende  teilweise „landestypische Gegebenheiten“ wie lärmende Generatoren hinnehmen, da nicht erwartet werden kann, dass in einem Wildpark eine öffentliche Stromversorgung existiert. Auch gilt ein Moskitoschwarm als „allgemeines Lebensrisiko“.


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