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Ugg(ly) Boots? - Radio 7

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Ugg(ly) Boots?

Foto: Larissa Guerrini / twitter.com

 

Like or dislike?!

Die Fellstiefel der Surfer


Die Tage werden kürzer, die Temperaturen fallen in den Keller und der erste Schnee ist auch schon gefallen – der Winter ist im Anmarsch.

 

Und auf die kalte Jahreszeit muss man sich gut vorbereiten, denn bei den Minusgraden ist eine Erkältung, Grippe und Blasenentzündung schnell geholt. Die meisten greifen zum klassischen Winterstiefel aus Leder: gefüttert, warm, rutschfest. Aber seit einigen Jahren schon, haben sich die Ladies hierzulande einen Trend aus Amerika zueigen gemacht: Ugg Boots.

 

Foto: zalando.deWo kommen die Fellstiefel her?

 

Die Meinung darüber, wer die Ugg Boots eigentlich erfunden hat, scheidet die Geister. Klar ist, dass sie ihre Anfänge in Australien und Neuseeland haben. Dort wurden nämlich schon in den 1920ern solche Fellstiefel von der Landbevölkerung getragen, um sich vor Kälte zu schützen. Die 60er machten dann das Wellenreiten zu einem Nationalsport und die Surfer begannen sich ihre kalten Füße mit Uggs warmzuhalten. Und mit dem Surfbrett kamen auch die praktischen Treter nach Amerika. Aber erst in den 90ern setzten sich die Schuhe auch bei Nicht-Surfern durch und schafften es letztendlich in zahlreiche Schuhschränke überall auf der Welt. Egal, ob Sportler oder nicht.

 

Der Ur-Ugg

 

Hergestellt werden Ugg Boots traditionell aus Lammfell. Die äußere Seite wird zu Wildleder aufgeraut und imprägniert, die flauschige Seite bildet das Innere des Stiefels. Zum einen ist der Boot dann von außen wasserdicht, zum anderen isoliert das Fell den Fuß, hält ihn warm und lässt gleichzeitig auch Luft dran – keine Chance also für Schweißfüße oder Fußpilz. Die synthetische Sohle aus Schaumgummi verhindert ein schnelles Abnutzen.

 

Foto: zalando.deBlasenentzündung- und Ausrutsch-Alarm!

 

Allerdings gibt’s jetzt zahlreiche Varianten des Ugg Boot, die zumeist günstiger, aber eben auch nicht aus echtem Leder gemacht worden sind. Bei diesen muss man aufpassen: Sie sind oft mit Schaumstoff gefüttert und nicht wasserdicht. Das heißt der Schuh saugt sich bei Nässe sofort mit Wasser voll und macht die Füße kälter als das Eis auf dem man läuft - und auf dem man womöglich noch wegen einer billigen Sohle ausrutscht.

 

Alle Uggs haben aber eine Gemeinsamkeit: Das Material wird in so wenigen Teilen wie möglich zu einem Schuh gebildet, der dementsprechend eine ziemlich simple Form aus einheitlichem Fußteil und Schaft hat.

 

Da wären wir bereits bei dem eigentlichen Problem: Die (Un)Form.

 

Diese Fellstiefel, die an jedem zweiten Damenfuß zu sehen sind, spalten die Modewelt. Auf der einen Seite, befinden sich die Ugg Boot-Lovers: Sie lieben die warmen und bequemen Schuhe.

 

Aber in den Ohren mindestens genauso vieler Fashion-Victims ist „Ugg Boot“ das Unwort des Jahrhunderts. Im Grunde sind es nun mal klobige Quadratlatschen, die aus ihrer Trägerin eine Kreuzung zwischen einem Trampeltier, Bigfoot und Yeti machen. Bequem und praktisch – aber eben alles andere als vorteilhaft, geschweige denn elegant.

Das lassen die Ugg-Liebhaber nicht gerne auf sich sitzen.

 

Foto: zalando.de

Den Stiefel gibt es mittlerweile in den vielen Varianten: klassisch, bunt, mit Glitzer, mit Absatz, animal-printed, … An der groben Form ändert das aber eben nichts. Also wird die Sexyness-Karte gespielt: Uggs mit Minirock.

Untenrum ist es dann klobig und warm, dafür allerdings obenrum sexy und verfroren. Immerhin beweist dies, dass es mit der richtigen Kombi möglich ist, Ugg Boots  ein wenig aufzuwerten, auch wenn es den Eindruck macht, als könnte sich die Trägerin nicht entscheiden, ob ihr kalt oder warm ist.

 

Ganz Gewagte kombinieren die Teile zum Lazy-Look:

 

Schlabber-Pulli, Jogging-Hose und Ugg Boots. Er ist gut tragbar, wenn man mal keine Lust hat, sich auch nur im Entferntesten zu stylen. Stars wie Cameron Diaz oder Blake Lively machen es vor, der Rest der Welt macht es nach. Zur Verteidigung dieser Kombi muss man sagen, dass der Schönheits-Zug da ohnehin schon lang abgefahren ist.

 

Foto: Jano Carrillo / twitter.comEin weiteres optisches Manko, das der Contra-Gruppe ein Dorn im Auge ist, sind die Fersen der Fellstiefelträgerinnen. Denn so ein Boot aus weichem Fell, dessen einziger fester Bestandteil die flexible Schaustoffsohle ist, gibt dem Fuß wenig Halt. Dementsprechend schnell kommen leichte Gehfehler in ihm besonders gut zur Geltung. Hat der Fuß auch noch so einen kleinen Linksdrall – das nachgiebige Material wirkt nicht entgegen, sondern gibt bereitwillig nach: Die Ferse rutscht links von der eigentlichen Sohle ab. Nur nach wenigen Läufen hat das Leder dann endgültig kapituliert und der Ugg Boot bekommt eine Ausbeulung an der Ferse, ist im Grunde schon ausgelatscht. Schön sieht das nicht aus. Und noch schlimmer: Es ist auch nicht gesund.

 

Herr Dr. Zeeh aus der Orthopädischen Praxis am Hauptbahnhof Stuttgart erklärt, warum Ugg Boots nicht die beste Wahl sind:

 

 

Aber sie haben selbstverständlich auch ihre guten Seiten:

 

 

Wenn man sich trotz allem für Ugg Boots entscheidet, gibt es dennoch Möglichkeiten, wie man sich die Gelenke nicht komplett zerstört:

 

 

Generell aber sollte in guter Winterschuh folgende Eigenschaften mitbringen:

 

 

Unter den Ugg Boot-Hassern hält sich felsenfest das Gerücht, Frank Mortal, einer der ersten Ugg Boot-Hersteller, habe die Stiefel „Ugg Boots“ benannt, weil seine Frau zu dem ersten gesagte hätte, sie wären unsagbar „uggly“. Ob das die Wahrheit ist, weiß aber bis heute keiner.

 

Ob einem jetzt warme Füße Fußprobleme und einen ausgelatschten Look wert sind, muss jeder selbst entscheiden. Wichtig ist letztlich im Winter doch nur eins: Dass die Füße wirklich warm eingepackt sind.

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