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Der Erdapfel erobert den Erdball

Bild: CCO/Thomas Ulrich/Pixabay

Der Erdapfel erobert den Erdball

Überall gibt es andere Namen für sie: Grumbeer, Herdöpfel, Ärpel, Grundbirn, Knulle oder Krumpa. Aber jeder kennt sie, die Kartoffel. Und fast jeder hat sie schon in irgendeiner Form gegessen: Kartoffelgratin, Salzkartoffeln, Bratkartoffeln, Kartoffelrösti, Pellkartoffel, Kartoffelsuppe oder Pommes. Aber die Kartoffel kann auch anders!

Wie kam die Kartoffel nach Deutschland?

Ursprünglich war die Kartoffel in den Anden heimisch. Dort hatten bereits viele ansässige Völker die Pflanze für sich entdeckt und kultiviert. Selbst für die Inkas wurde die Kartoffel zu einem Hauptnahrungsmittel. Während der Mais sich bei Höhen von 3000 – 4000 Metern kaum anbauen ließ, zeigte sich die Kartoffel als widerstandsfähige Alternative.

Mit der Entdeckung von Südamerika durch die Spanier begann auch der Eroberungsfeldzug der Kartoffel nach Europa. Mitte des 16. Jahrhundert  fiel den Spanier auf, dass die Einheimnischen so genannte „papas“ saßen. Man geht davon aus, dass die Kartoffel etwa um 1570 die spanische Halbinsel per Seeweg erreicht hat. Schließlich breitete sich das Nachtschattengewächs langsam über das europäische Festland aus. Darüber, wie sie auf britischen Inseln gelangte, sind sich die Britten nicht einig. Es gibt verschiedene Geschichten. Eins ist jedoch sicher – sie eroberte vor allem Irland, wo sie im Laufe des 17. Jahrhundert zum wichtigsten Grundnahrungsmittel wurde.

In deutschen Regionen lässt sich die Ankunft etwa auf Anfang des 17. Jahrhunderts datieren: allerdings als Zierpflanze, wie zum Beispiel 1649 im Berliner Lustgarten. Ihr Dasein als Nutzpflanze wurde durch den „Alten Fritz“ gefördert. Vieler Orts begegnete man ihr jedoch mit Misstrauen. Zum Beispiel erwies sich aufgrund fehlender Anbaukenntnisse die Ernte von Kartoffeln erst einmal als schwierig. Außerdem schmeckten vielen die Kartoffeln nicht, weil sie roh und unreif verzehrt wurden. Der preußische König Friedrich der Große hatte das Potential der Knollen jedoch erkannt und ließ sie durch Verordnungen ab 1756 anbauen. Schrittweise bemächtigte sich die Kartoffel der deutschen Küchen. 

Besondere Kartoffelsorte(n)

Die Süßkartoffel ist eigentlich keine Kartoffelsorte, denn sie sind nur entfernt miteinander verwandt. Genauso wie die Kartoffel ist sie eine Knollennahrungspflanze. Auch ihre Zubereitungsmöglichkeiten sind ebenso vielseitig. Es gibt verschiedene Sorte, beispielsweise mit weißer oder roter Schale. Die Amerikaner essen zum traditionellen Truthahn-Menü zu Thanksgiving gebackene Süßkartoffeln. In ihrem Aussehen ist sie von der Kartoffel dadurch zu unterscheiden, dass die Süßkartoffel in den meisten Fällen einen ovalen Körper hat. Allerdings ist das nicht immer so. Weil der Zuckeranteil so hoch ist, schmeckt die Süßkartoffel, wie ihr Name schon sagt, süßlich.

Die Kartoffel ist innen gelblich. Falsch gedacht – es gibt auch welche, die lila sind. Die Sorte heißt Vitelotte und wird auch als „Blaue Kartoffel“ bezeichnet. Es ist eine seltene Ur-Kartoffelsorte. Ursprünglich kommt sie aus Peru und Bolivien. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts hat sie langsam den deutschen Markt erobert. Das Besondere ist der Geschmack: würzig, leicht erdig und nussig. Sie wird von manchen mit Maronen verglichen.  Sie kann wie jede andere Kartoffelsorte zubereitet. In Frankreich zum Beispiel wird die Vitelotte als Pellkartoffel zur Vinaigrette mit Petersilie und Zwiebeln serviert.


Sie ist nicht nur Speisekartoffel

Seit dem 19. Jahrhundert wird die Kartoffel als Futtermittel benutzt. Aufgrund umgewandelter Haltungsbedingungen von Schweinen im mittleren Europa änderte sich auch der Fütterungsbedarf. Statt weiterhin den Tag auf der Weide zu verbringen und sich dort die Nahrung, wie Eicheln und andere Waldfrüchte, zu suchen, wurden die Schweine in Ställen gehalten. Als kosteneinsparende Maßnahme wurden die Tiere mit Kartoffeln gefüttert. Mittlerweile hat die Futterkartoffel Konkurrenz bekommen: Zum einen wird immer mehr Mastmittel als Futterersatz eingekauft und zum anderen wird sie durch Soja ersetzt, weil dieses kostengünstiger ist.

Sondern auch in der Wirtschaft brauchbar

Die Knollen der Kartoffel enthalten einen hohen Anteil an Stärke, die einen wichtigen Bestandteil der menschlichen Nahrung ausmacht. Außerdem hat die Wirtschaft die Erdäpfel als nachwachsender Rohstoff entdeckt. Der besondere Vorteil ist, dass die Kartoffel gegenständlich und energetisch genutzt werden kann. Ein Teil der gewonnenen Kartoffelstärke wird vor allem für die Produktion von Lebensmittel gebraucht. Da Stärke aus verschiedenen Anteilen besteht, können diese recht vielfältig verwendet werden. Zum Beispiel nutzt die deutsche Papier- und Wellenpappeindustrie native Kartoffelstärke mit bestimmten Anteilen zur Herstellung von modifizierten Stärken, die später als Papierstärke verwendet werden.

Internationales Jahr der Kartoffel

Bereits 2005 hatten die Vereinten Nationen die Idee, der Kartoffel ein besonderes Jahr zu widmet. Schließlich wurde 2008  das Internationale Jahr der Kartoffel ausgerufen. Ziel dieser Aktion war, dass die Knollen den Entwicklungsländern als Nahrungsmittel bewusst werden sollte. Denn aufgrund ihrer Geschaffenheit hat die Kartoffel das Potential in vielen Ländern dem Problem der Unterernährung etwas entgegenzusetzen. Natürlich ist die Kartoffel nicht die Lösung des Problems schlechthin, aber sie könnte als Lebensmittel bei der Bekämpfung von Hunger helfen. Die Schweiz nahm dies 2008 als Anlass, um eine Sonderbriefmarke herauszugeben.

 

"Alles über die Kartoffel" - Ein Video für Euch!

 

„Kartoffeln sind langweilig“ – Überhaupt nicht!

Als ehemaliger Teil des britischen Kolonialgefüges gelangten viele westliche Einflüsse nach Indien. Auch die indische Küche wurde durch neue „westliche“ Lebensmittel und Sitten beeinflusst. Heute ist die Kartoffel ein wichtigter Bestandteil der nationalen Küche.

 

Überzeugt Euch selbst von dem exotischen Potential des Nachtschattengewächses!

Ihr braucht: 4 große Kartoffel, 20 Cashewnüsse, 2cm Ingwer, 1zerkleinerte Knoblauch, 1 El Kreuzkümmelsamen, 1 Lorbeerblatt, 2 gehackte Zwiebeln, 1 zerkleinerte Chili, ¼ EL Kurkuma, ½ EL Garam Masala, 100 gr. Joghurt, 2 El gehackte Korianderblätter und Öl zum Braten. Zu guter letzt 300 ml Wasser und Soßenbinder, wenn nötig.

Ihr müsst die Cashewnüsse für zwei 2 Stunden im Wasser einweichen. In der Zeit könnt Ihr die Kartoffeln schälen und in ca. 2 cm dicke Würfel schneiden. Diese werden dann bei mittlerer Hitze in Öl gut braun anbraten, dass dauert ca. eine halbe Stunde. Wendet die Würfel hin und wieder, solange Ihr schon die Soße zubereitet. Dann müsst Ihr die Cashewnüsse aus dem Einweichwasser nehmen und mit Ingwer und Knoblauch zu einer Paste zerreiben. Das Ganze ist mit dem Mixer wegen der kleinen Menge nicht so einfach! Aber Ihr könnt es auch von Hand im Mörser machen. Wenn die Paste noch Stücke enthält, macht das nichts.

Danach erhitzt Ihr in einem Topf etwas Öl, um das Lorbeerblatt und den Kreuzkümmelsamen ca. 1/2 Minute anzubraten. Gebt Zwiebeln und Chili dazu, ehe Ihr es auf niedriger Hitze weiterbraten lässt, bis die Zwiebeln glasig sind. Kurkuma und Garam Masala hinzufügen und gut vermischen. Gebt schließlich den Joghurt dazu. Ihr müsst alles solange unter Rühren köcheln lassen, bis das Wasser verdunstet und die Masse relativ trocken ist. Jetzt die Cashewpaste, und nach Geschmack den Koriander, dazugeben und 1-2 Minuten kochen lassen. Fügt 300 ml Wasser hinzu und lasst das Ganze offen bei kleiner Hitze 5-7 Minuten kochen. Die Kartoffeln werden schließlich dazugegeben und weitere 3-4 Minuten gekocht. Sollte Euer Curry zu flüssig sein, könnt Ihr es mit Soßenbinder andicken.

VOILA – Das Kartoffel-Curry ist fertig!

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