Radio7

Die Kunst, Lebensmittel abzulichten - Radio 7

Das Gute von gestern mit dem Besten von heute
  • TURN ME LOOSE - LOVERBOY


Die Kunst, Lebensmittel abzulichten

Bild: sxc.hu/Alicia Solario

Zu schön, um wahr zu sein

Die Tricks der Lebensmittel-Fotografie

Es ist ein altbekanntes Phänomen: Man kauft ein außen auf der Packung abgebildetes Produkt und stellt beim Öffnen fest, dass der Packungsinhalt damit nur sehr entfernt Ähnlichkeit hat....


Der Kunde ärgert sich über die bewusste "Täuschung", doch ist diese optimierte Darstellung nur allzu verständlich, wenn man bedenkt, dass es sehr oft die Aufmachung ist, die den Kunden zum Kauf des Produkts animiert - das Auge isst schließlich mit.
Welche Form der Nahrungsmittel-Fotografie gibt es, wo liegen ihre Unterschiede und mit welchen Tricks arbeitet die Brache eigentlich?

Generell gibt es zwei Formen von Lebensmittel-Fotos: Erstens jene aus dem Bereich des Foto-Journalismus und zweitens die der Werbefotografie. Zur Begriffsdefinition: dem Foto-Journalismus geht es  nicht darum, Objekte zu schönen, sondern sie möglichst realistisch  abzubilden. Die Werbefotografie hingegen möchte gerade das  Gegenteil.

Hier ist das erklärte Ziel die optimale Inszenierung der  Ware, um den Konsumwunsch des Kunden anzuregen. Der Bereich "Food-Fotografie" fällt in die Kategorie Produktfotografie und wird unter anderem für Werbung, Kochbücher und Zeitschriften verwendet. Richtet sich die Darstellung jedoch nicht an den Endkonsumenten, sondern an ein Fachpublikum, ist häufig der Foto-Journalismus gefragt.

Wurden früher Lebensmittel auch in Werbeanzeigen und Kochbüchern möglichst natürlich abgebildet ohne Spezialeffekte und eindimensional, wäre dies heute nahzu undenkbar. Heutzutage beteiligen sich so genannte Food-Stylisten an den Umsetzungen und inszenieren die Produkte. Getrickst wird dabei mit Licht und Montagen, mit Kunststoffatrappen und Nachbearbeitungen am Computer. Oft kommt neben dem Fotografen nicht nur der Food-Stylist zum Einsatz, sondern zusätzlich ein Art  Director und ein Requisiteur, die sich um das Set und die Umsetzung kümmern. Die größte Herausforderung ist es hierbei, die Produkte in kurzer Zeit ideal abzulichten, da sie häufig eine begrenzte fototaugliche Lebensdauer haben
(Eiscreme, geschnittenes Obst).

Bei Obst und Gemüse vermitteln oft Wasserperlen die Produktfrische. Was die wenigsten wissen: Nicht natürliche Wasserperlen hängen hier "taufrisch" an den Objekten, sondern Acrylspray mit einer Mischung aus Glycerin und Wasser. Ebensowenig handelt es sich bei vermeintlich tiefgekühlten Produkten um Frost. Was hier zu sehen ist, ist eine Oberfläche, die erst mit Sirup eingestrichen und dann mit Puderzucker bestreut wurde. Und wo wir auf anderen Bildern Sirup zu sehen glauben, wurde Motoröl eingesetzt, weil es gänzender und dunkler ist.

Und auch allerlei Farbspielereien täuschen den Konsument beim Anblick der Bilder. Das knusprig krosse Fleisch ist eigentlich noch fast roh, weil es sonst die Spannung verlieren würde und bekommt alternativ mit brauner Lebensmittelfarbe oder Lack das gewisse Etwas, der Kaffee leuchtet schöner, wenn man ihn mit Rotwein mischt, bei Tee verzichtet man oftmals ganz auf den Tee und greift gleich zu Kaffee und Wasser. Majonaisse macht den Pudding optisch cremiger, die Schokolade fängt nicht plötzlich an zu schmelden, wenn man einfach eine eingefärbte Kunstharzmasse nimmt und Müsli in weißem Leim statt in Milch weicht nicht auf oder versinkt.

Doch die Food-Fotografie kann noch viel mehr: Echte Eiswürfel würden wie Schokolade unter der großen Beleuchtung im Fotostudio sehr schnell schmelzen, also nimmt man die Acrylglasvariante, Milch- und Bierschaum falen zu schnell zusammen, also mischt man sie mit Seifenblasen oder greift auf Eischnee zurück und Eiskugeln formt man auch besser aus Margarine, der man mit Lebensmittelfarbe den letzten Anstrich verpasst. Überraschungen erlebt man auch bei Salattellern, die im Innern aus Kartoffelbrei bestehen, weil der nicht zusammenfällt und man den Salat schön darauf drapieren kann oder beim Suppenteller, der zur Hälfte mit festem Gelee gefüllt wurde, damit die Suppeneinlage im Teller nicht versink sondern auf dem Foto gut sichtbar ist.


Gemein ist das ja schon ein wenig, aber auch verdammt clever, denn schließlich sprechen die Bilder den Kunden an. Und was am Ende dann doch wirklich zählt ist vor allem eines: dass das verzehrte Produkt auch schmeckt!

Kommentare

fbloginbar
Radio 7 Webradio
Radio 7 Playlist
Mail ins Studio senden
Mediathek
Service
Facebook