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Himmlische Klassiker - Gebäckspezialitäten - Radio 7

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mit Matthias Ihring

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Himmlische Klassiker - Gebäckspezialitäten

Bild: CCO/Hans Braxmeier/Pixabay

Himmlische Klassiker – Gepäckspezialitäten

Alle Jahre wieder! Es ist soweit: Die Adventszeit hat begonnen. Und damit die Zeit des Backens. Jeder hat seine eigenen Vorlieben und geheimen Rezepte, die seit Generationen weitergereicht werden. Aber es gibt auch Klassiker: Gebäckspezialitäten, die sich äußerster Beliebtheit erfreuen. Wir stellen Euch ein paar vor!

Dresdner Stollen – nur echt mit dem Siegel!

Es gibt viele Variationen des Stollens: Butterstollen, Mandelstollen, Marzipanstollen, Nussstollen oder Mohnstollen. Aber es gibt nur einen Dresdner Stollen! Denn die Bezeichnung ist seit 1997 als Marke geschützt. Das bedeutet, dass der Name nur für solche Stollen benutzt werden darf, die im Raum Dresden hergestellt werden. Deshalb wird jeder Original Dresdner Stollen mit einem Siegel ausgezeichnet, um seine Echtheit zu bestätigen.


Das erste Mal wurde der Dresdner Stollen 1474 erwähnt: und zwar auf einer Rechnung für das christliche Bartholomai-Hospital. Ursprünglich war der Stollen ein mittelalterliches Fastengebäck, das nur aus Mehl, Wasser und Hefe bestand. Butter und Milch wurden bei der Herstellung nicht verwendet. Schließlich verlangte die katholische Kirche zur Fastenzeit, dass die Menschen auf gewisse Dinge verzichten sollten, so auch auf wohlschmeckende Zutaten. 

Eine entscheidende Wende gab es 1491, als der sächsische Kurfürst Ernst und sein Bruder Albrecht Papst Innozenz VIII ein Schreiben schickten, in dem sie baten das Butter-Verbot aufzuheben. Danach erlaubte das Oberhaupt der katholischen Kirche die Benutzung von Butter. Urkundlich bescheinigt wurde dieser Erlass durch den „Butterbrief“. Ab diesem Zeitpunkt durften die Bäcker Butter für die Stollenzubreitung benutzen.

Die Verbindung zwischen Weihnachten und dem Stollengebäck entstand durch die Sitte, ab 1500 "Christbrote uff Weihnachten" auf dem Weihnachtsmarkt, auch Dresdner Striezelmarkt genannt, an die Bürger zu verkaufen. Sein königliches Prädikat erhielt die Dresdner Spezialität um 1560. Einer Tradition nach übergaben die Bäcker jedes Jahr ihrem Landesherren einen Weihnachtsstollen, der fast 36 Kilogramm wog.

Aber auch andere Regionen rühmen sich eines besonderen Stollengebäcks, wie zum Beispiel Westfalen mit dem „Westfalenbäckerstollen“, Erfurt mit dem „Schnittchen“ oder München mit dem „Münchner Kindl Stollen“.


In diesem Video könnt Ihr die Stollenherstellung verfolgen:

 

Berliner Brot – nach Originalrezeptur gebacken!

Diese Gebäckspezialität kommt aus dem Bergischen Land und wird oft mit den italienischen Cantucci verglichen. Allerdings wird das Berliner Brot nur einmal gebacken. Genauso wie beim Stollengebäck gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Rezept zu erweitern. Prinzipiell werden für den Tag Mehl, Zucker, Puderzucker, Butter, Nelkenpulver, Zimt und Kardamom verwendet. Die wichtigsten Zutaten, ohne die es kein Berliner Brot wäre, sind ganze Haselnüsse oder Mandeln, Zuckerrübensirup und Kakao.

Die Geschichte des Berliner Brotes ist ein Märchen, dessen Wahrheitsgehalt irgendwo im Verborgenen liegt:

Vor fast hundert Jahren lebte in Pommern ein Bauernmädchen. Dieses schlug alle Warnungen in den Wind und ging nach Berlin. Aufgrund eines Krieges waren die materiellen Besitztümer des Mädchens rar. Außer ein wenig Kleidung und einem alten Familienrezept konnte es nichts mit sich nehmen. Bei einer Gräfin, die direkt am Brandenburger Tor lebte, fand sie eine Anstellung.

Irgendwann wollte die Gräfin ein großes Fest feiern. Für die Planung rief sie die Köchin und das Bauernmädchen zu sich. Beide erhielten den Befehl, dass sie Köstlichkeiten aus Berlin zu ihr  bringen sollten. Mit besonderer Vorliebe wollte die Gräfin unbedingt Madeleines, die sie mal in Paris gegessen hatte, haben. Weil die Zustände nach dem Krieg aber noch nicht ganz regelt waren, fanden die beiden Frauen das Gewünschte jedoch nicht. Am Ende hatten sie zwar vielerlei Gaben: Braten, Wein, Gänse und Gemüse. Nur die kleine französische Köstlichkeit konnten sie nicht finden.

Darüber war die hohe Dame nicht sehr erfreut, so dass das Mädchen in seiner Verzweiflung das Familienrezept hervorholte und sagte: „Wenn die feinen Leute keinen Kuchen haben, sollen sie halt Brot essen.“  Über diesen Vorschlag schwieg die Gräfin entsetzt. Zur gleichen Zeit betrat ein junger Leutnant die Küche. Auf seine Bitte hin überreichte die junge Maid ihm das Rezept. „Kardamom, Rübenkraut, Nelkenpulver, Kakao, Eier, Butter, Zucker, Haselnüsse, Mehl und Backpulver“, las er vor. „Und wie sieht dein Brot aus?“, fragte er das Mädchen „Braun, derb und hart“, erwiderte sie. Jedem der Anwesenden gab es eine Kostprobe.

„Eine Köstlichkeit hart wie die Berliner, außen rau, aber mit viel Seele“, rief die Gräfin daraufhin aus. „Nennen wir es doch Berliner Brot.“

 

Aachener Printen – für die ganze Welt!

Zum Weihnachtsgebäck gehört sie einfach dazu: die Aachener Printe. Als Aachener Printen werden ausschließlich in Aachen und Umgebung produzierte Gebäcke bezeichnet. Mittlerweile gibt es das Printengebäck vielerorts sogar ganzjährig zu kaufen. Bei dieser Spezialität handelt es sich um eine abgewandelte Form eines Lebkuchenteiges. Das Sortiment ist  vielfältig und bietet für jeden Geschmack etwas. Die Basisrezeptur bestand von jeher aus Mehl, Honig und Gewürzen. Im Laufe der Jahrzehnte wurde dieses durch andere Süßungsmittel verändert. Als endgültiges Grundrezept wird die Rezeptur um 1820 angesehen, wobei sich der Verzicht auf Butter oder Nuss-Mehl bei der Produzierung von Printen durchsetzte. 

Aber wie kommt dieses Lebkuchengebäck zu seinem Namen "Aachener Printen"? In diesem Video erfahrt Ihr die Antwort:

Heute zeichnet sich das Sortiment besonders durch die in den 1950er-Jahren entwickelten Schokoladen-Saftprinten und der Nuss-Saftprinten aus. Der Klassiker jedoch ist und bleibt die Aachener Kräuterprinte.

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