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Die größten Lebensmittelmythen - Radio 7

Das Gute von gestern mit dem Besten von heute

Radio 7 mit Linda Borrmann

mit Linda Borrmann

  • Invisible - Alison Moyet


Die größten Lebensmittelmythen

Bild: sxc.hu/Piotr Menducki
Ist da auch was dran?
Verbreitete Lebensmittel-Mythen

Glauben heißt nicht wissen - das glaubt man aber oft! Ob von der Mutti beigebracht, irgendwo mal aufgeschnappt, bei einer Fernsehreportage mit halbem Ohr zugehört, oder mal einen Artikel dazu überflogen: Gerade bei den kleinen Dingen des Alltags halten sich viele Halbwahrheiten hartnäckig,  und das auch im Lebensmittelbereich. Dabei stimmen davon die wenigsten...

"Eisiger" Spinat

Hätte ein Herr namens Gustav von Bunge 1890 zweimal nachgedacht, wäre vielen Kindern eine echte  Schmach erspart geblieben. Tat er aber nicht, und so nötigten Generationen von Eltern ihren Nachwuchs zu reichlich Spinatverzehr - denn das Blattgemüse sei sehr eisenhaltig und damit essentiell fürs Groß und Stark werden. Von Bunge hatte vor über 100 Jahren allerdings lediglich den Eisengehalt von getrocknetem Spinat untersucht - und der liegt zehnmal höher als der vom frisch zubereitetem Produkt. Alles für die Katz also? Sogar so leckere Sachen wie Schokolade weisen einen höheren Eisengehalt auf, das tut weh. Aber keine Sorge: Spinat ist trotzdem ziemlich gesund, dafür sorgen viele Viatmine, Folsäure und Magnesium. Für genügend Eisen greift man aber besser zu Speisen wie Quark, Käse, Linsen, Haferflocken, oder Erbsen - die übrigens auch tiefgefroren sehr gesund sind...

Gemüse tiefgekühlt tötet die Nährstoffe

Klar, Tiefkühlpizza oder Fertiggerichte zum Auftauen sind per se nicht das gesündeste Mittagessen. Das liegt aber am Produkt und nicht an der Art der Lagerung: Tiefgekühltes Gemüse nämlich ist mit am nährstoffhaltigsten! Nur wenige Stunden nach der Ernte werden Erbsen & Co schockgefrostet und abgepackt, wodurch Vitamine und Mineralstoffe erhalten bleiben. Und durch die dadurch entstehende Zellstruktur gehen die auch beim Auftauen nicht verloren. Damit ist tiefgekühltes Gemüse mindestens genauso frisch wie das vom Wochenmarkt!


Tiefgekühltes ist lange haltbar -
und wie steht's mit anderem Essen? Wir räumen mit
dem "Mythos Mindesthaltbarkeit" auf...
 



"Light" macht leicht


Anders sieht es bei vermeintlich sehr gesunden Produkten aus - Light-Produkte lassen nicht zwingend die Pfunde purzeln. Das hat rechtliche Gründe: Die Bezeichnung "Light" ist kein geschützter Begriff und unterliegt somit keinen Richtlinien, deren Einhaltung für die Verwendung Voraussetzung wären. Das machen sich Lebensmittelhersteller im Zuge des Gesundheitstrends zu Eigen und kennzeichnen mit dem geheiligten Schlagwort auch Produkte wie salzarme oder zucker-reduzierte Speisen. Die ganze Wahrheit liegt einzig in der Nährstofftabelle.


Wenn schon leicht und bio, dann bewusst!
Alles zum ökologischen Essen gibt's bei uns...
 


 Kalorienbombe Ketchup

Viele glauben, Ketchup macht dick. Die Kalorienwerte sprechen da eine andere Sprache: Eine Portion der tomatigen Sauce enthält nicht mal 30 Kalorien - fettig ist nur das, was man dazu isst: Pommes oder andere Ungesundheiten zum Beispiel. Bereitet man aber fettarm zu, wie beispielweise beim Kochen von Salzkartoffeln, kann ohne Bedenken auch etwas Ketchup dazu.

Stilles Wasser  sprudelt vor Gesundheit

Nicht zuletzt dank der edlen Produktaufmachung und den teilweise recht hohen Preisen behaupten viele, stilles Mineralwasser sei wesentlich gesünder als das schnöde Wasser aus der Leitung. Das stimmt aber nicht, ganz im Gegenteil: Tatsächlich enthalten die meisten stillen Wässer nur wenig bis sehr wenig Mineralstoffe, egal ob Discount- oder Markenwasser. Laut der Stiftung Warentest könne von 29 getestesten tatsächlich nur eine einzige Wassersorte einen "nennenswerten Beitrag leisten, um Knochen und mit Kalzium und Muskeln mit Magnesium zu versorgen". Wasser aus der Leitung schafft das dagegen fast überall in Deutschland. Und ist nicht zuletzt wesentlich günstiger: Zum Preis von ungefähr zwölf Flaschen aus dem Supermarkt kann man auch jeden Tag 2 Liter Leitungswasser trinken, ein ganzes Jahr lang! Klingt unglaublich, ist aber bei genauem Hinschauen plausibel: Ein Liter Leitungswasser kostet eben nur 0,003 Euro - für  stilles Wasser zahlt man hingegen schonmal 50 Cent für die selbe Menge. Öfter mal den Hahn aufdrehen lohnt sich also. Aufpassen sollte man einzig unterwegs - in öffentlichen Gebäuden wie Bahnhöfen oder Krankenhäusern enthält das Leitungswasser oft Keime, weil es länger in den Leitungen steht und aus Hähnen kommt, die stark benutzt, aber wenig gereinigt werden.


Mehr bezahlen als nötig - das tut man
oft auch in der Gastronomie...


Steinfrüchte und Wasser sprengen den Magen

Im Zuge des vorherigen Mythos lässt sich gleich mit einem weiteren Gerücht aufräumen. Früher wurde gerne behauptet, man dürfe nach dem Verzehr von Kirschen, Pfirsichen,  und generell allem Obst mit Kernen kein Wasser trinken: Das verursache Magenschmerzen und Durchfall. Mit der Kombination an sich hat das wenig zu tun - nur hatte das Trinkwasser früher einfach nicht die Qualität wie heute. Nach einer Nektarine oder Pflaume muss man also nicht  auf die Durststrecke.

Besser Margarine als Butter

Margarine gilt wegen niedrigem Cholesteringehalt als gesunde Alternative zu Butter  - das bestätigt sich in aktuellen wissenschaftlichen Tests aber keineswegs. Im Gegenteil scheinen Margarine-Esser  ihr Herz zu gefährden, da die in vielen Margarinen enthaltenen Trans-Fettsäuren schädliches Cholesterin enthalten. In Butter können die nicht vorkommen, denn sie entstehen nur bei künstlicher Härtung von Ölen, wie es bei Margarinen der Fall ist. Also doch lieber Butter aufs Brot!

Das sind natürlich noch lange nicht alle Irrtümer, die sich in den Köpfen der Verbraucher festgesetzt haben - aber sie zeigen die enorme Kraft des Halbwissens. Bevor man sich also wundert, warum man nicht abnimmt oder nicht satt wird oder , sollte man sich lieber noch einmal richtig informieren, und damit den ein oder anderen Irrglauben beseitigen.

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